Das Metropolitan Museum of Art in New York hat eine große Ausstellung über das Schaffen von John Galliano angekündigt. Die Schau mit dem Titel „John Galliano: Horizons“ wird im Frühjahr 2027 im Costume Institute zu sehen sein. Damit widmet das Museum erst zum dritten Mal in seiner Geschichte einem lebenden Modeschöpfer eine umfassende Monografie. Die Ausstellung soll vier Jahrzehnte Modegeschichte abdecken – von Gallianos Anfängen in London über seine Stationen bei Givenchy, Christian Dior und Maison Margiela bis hin zu den dunkelsten Kapiteln seiner Karriere.
- Das Costume Institute im Met zeigt ab Frühjahr 2027 die Ausstellung „John Galliano: Horizons“.
- Vor Galliano wurden im Met nur Yves Saint Laurent (1983) und Rei Kawakubo (2017) als lebende Designer geehrt.
- Die Retrospektive behandelt sowohl den künstlerischen Werdegang als auch den Skandal von 2011 und Gallianos anschließendes Comeback.
Vom Enfant Terrible in London zum Wiederaufbau bei Margiela
Gallianos Karriere nahm 1984 ihren Anfang, als seine Abschlusskollektion „Les Incroyables“ an der Londoner Kunsthochschule Central Saint Martins für Aufsehen sorgte. Das britische Kaufhaus Browns kaufte die an die Mode des späten 18. Jahrhunderts und die New-Romantic-Bewegung angelehnte Kollektion vollständig auf. Nach seinen Jahren als kreativer Regelbrecher in der Londoner Szene folgte der Aufstieg an die Spitze der Pariser Haute Couture – zunächst bei Givenchy und später als Chefdesigner bei Christian Dior, wo er weltweite Erfolge feierte.
Im Jahr 2011 kam es jedoch zum dramatischen Bruch: Nach seiner Festnahme wegen antisemitischer Äußerungen in einer Pariser Bar wurde Galliano von Dior entlassen. Nach einer Zeit in einer Rehabilitationseinrichtung kehrte er schließlich bei Maison Margiela in die Mode-Welt zurück. Dort gelang es ihm, das Traditionshaus neu zu erfinden. Wie sein Nachfolger Glenn Martens betonte, machte Galliano aus einer Designermarke wieder ein echtes Modestudios. Dass Gallianos Arbeiten bei Dior nach wie vor zu den begehrtesten Stücken des Modemarktes gehören, zeigte im Januar eine Rekordauktion von Stücken aus der Sammlung von Mouna Al Ayoub: Ein bemaltes Seidenabendkleid aus Gallianos „Clochards“-Kollektion (Frühjahr/Sommer 2000) erzielte 510.000 Euro, gefolgt von einem Taffeta-Abendkleid derselben Saison für 420.000 Euro.
Das Konzept der Retrospektive im Met Museum
Dass einem lebenden Designer eine eigene Ausstellung im Costume Institute gewidmet wird, ist eine seltene Ausnahme im Ausstellungsbetrieb. Vor Galliano erhielten diese Ehre im Met lediglich Yves Saint Laurent im Jahr 1983, organisiert von Diana Vreeland, sowie Rei Kawakubo von Comme des Garçons im Jahr 2017.
Die Entscheidung verdeutlicht den Stellenwert, den das Museum Gallianos Einfluss auf die zeitgenössische Mode beimisst.
Organisiert wird die Schau von Andrew Bolton, dem verantwortlichen Kurator des Costume Institute. Neben Kleidungsstücken und Accessoires aus dem eigenen Bestand des Museums soll die Schau Skizzen, Archivmaterialien und Arbeitsbücher zeigen. Bolton erklärte, die Ausstellung verstehe Mode als eine Form der Kartografie und zeichne nach, wie Bilder zu Ideen und Ideen zu Emotionen werden. Anna Wintour, Global Editorial Director von Vogue, betonte, dass die Ausstellung auch die schwierigen Phasen in Gallianos Leben nicht aussparen werde. Seine Karriere sei von Gegensätzen geprägt und die Schau werde den gesamten Bogen seines Schaffens behandeln.
Nächste Schritte bis zur Eröffnung 2027
Vor dem Start der Museumsschau im Frühjahr 2027 stehen für den Designer weitere Projekte an. Bereits im kommenden September wendet sich Galliano der Massenmode zu: Dann erscheint der erste Teil seines auf zwei Jahre angelegten Projekts mit dem spanischen Modekonzern Zara, bei dem er die Archive der Marke neu interpretiert.
Max Hollein, Direktor und CEO des Met, bezeichnete Gallianos Einfluss auf die Mode der vergangenen vier Jahrzehnte als tiefgreifend.
Wie beurteilen Sie die Entscheidung des Met Museums, John Galliano trotz seiner vergangenen Kontroversen eine Retrospektive zu widmen? Teilen Sie Ihre Meinung gerne in den Kommentaren.































