Nach einem extrem trockenen Frühjahr und einer Hitzewelle im Frühsommer zieht der Deutsche Bauernverband eine pessimistische Erntebilanz für das Jahr 2026. Wie Verbandspräsident Joachim Rukwied mitteilte, fiel die Getreideernte bundesweit um sieben Prozent geringer aus als im Vorjahr. Anhaltende Hitze und fehlende Niederschläge führten vor allem im Süden und Westen Deutschlands zu massiven Ertragsrückgängen und regionalen Missernten. Die unzureichende Erntemenge bringt viele landwirtschaftliche Betriebe vor dem bevorstehenden Beginn der Aussaat für das nächste Jahr in eine wirtschaftliche Notlage.
- Die deutsche Getreideernte sinkt 2026 auf 41,9 Millionen Tonnen – ein Minus von sieben Prozent gegenüber 2025.
- Besonders schwere Ertragsverluste verzeichnet der Rapsanbau mit einem Einbruch von bis zu 20 Prozent.
- Der Deutsche Bauernverband fordert ein politisches Sofortpaket inklusive vorgezogener EU-Direktzahlungen und Steuersenkungen auf Diesel.
Ein trockenes Frühjahr und extrem heiße Juni-Wochen
Die Grundlagen für die diesjährige Erntebilanz wurden bereits in den ersten Monaten des Jahres gelegt. Ein zu trockenes Frühjahr setzte vielen Beständen frühzeitig zu, ehe eine ausgeprägte Hitzewelle in der zweiten Junihälfte die Situation weiter verschärfte. In vielen Regionen Süd- und Westdeutschlands stiegen die Temperaturen tagelang über die Marke von 30 Grad Celsius im Schatten, ohne dass ausgiebige Gewitter für Abkühlung oder Feuchtigkeit sorgten.
Die Juni-Hitze traf das Getreide in einer sensiblen Entwicklungsphase, der sogenannten Kornfüllungsphase. In diesem Zeitraum lagern die Pflanzen üblicherweise Stärke und Proteine in die Körner ein. Bei starker Trockenheit und Hitze bricht dieser Prozess vorzeitig ab, was zu kleineren Körnern und einer geringeren Qualität führt. Neben dem Wassermangel begünstigte das Witterungsumfeld auch den Befall durch Schädlinge. Insbesondere beim Raps richteten der Erdfloh und die Kohlschotenmücke erhebliche Schäden an, da wirksame Bekämpfungsmittel nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung standen.
Die Erntebilanz 2026 im Detail
Die am Dienstag vorgelegten Zahlen des Deutschen Bauernverbandes verdeutlichen das Ausmaß der Einbußen. Insgesamt wurden in Deutschland 41,9 Millionen Tonnen Getreide geerntet – rund 3,3 Millionen Tonnen weniger als im Jahr 2025 (45,2 Millionen Tonnen). Der Ertrag pro Hektar ging im Durchschnitt um neun Prozent zurück.
Insbesondere in Süd- und Westdeutschland führten fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Totalausfällen bei einzelnen Kulturen.
Am schwersten traf es den Winterraps, dessen Erntemenge auf 3,3 Millionen Tonnen einbrach – ein Rückgang von bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Weizen liegt das Ergebnis mit knapp 21 Millionen Tonnen etwa sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Gerstenernte blieb zwar mit 9,5 Millionen Tonnen mengenmäßig konstant, allerdings nur, weil die Anbaufläche ausgeweitet worden war; der Ertrag pro Hektar sank auch hier. Parallel dazu prognostiziert das Statistische Bundesamt bei Äpfeln einen Rückgang der Erntemenge um 18 Prozent.
Auch bei Herbstkulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Soja zeichnet sich ein unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Selbst auf bewässerten Flächen seien kaum normale Erträge zu erwarten, bei Zuckerrüben drohen regional Einbußen von bis zu 25 Prozent. Später Regen kann bei manchen späten Gemüsekulturen oder dem Grünland zwar noch eine leichte Besserung bringen, für viele geschädigte Bestände kommt er jedoch zu spät.
Steigende Kosten und der Blick auf das kommende Anbaujahr
Nach dem Abschluss der Getreideernte steht in den landwirtschaftlichen Betrieben unmittelbar die Bodenbearbeitung und die Herbstaussaat für die kommende Saison an. Viele Landwirte stehen dabei vor Liquiditätsproblemen. Den gesunkenen Erlösen aus dem Getreideverkauf stehen hohe Betriebskosten für Treibstoffe, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel gegenüber.
Bauernpräsident Rukwied forderte von der Politik daher ein kurzfristiges Sofortprogramm. Unter anderem verlangt der Verband, die EU-Düngemittelhilfe von derzeit 60 Millionen auf 180 Millionen Euro aufzustocken und bereits im September auszuzahlen. Zudem sollten 80 Prozent der EU-Direktzahlungen auf Oktober vorgezogen werden. Regulär werden diese Gelder aus der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) erst Ende Dezember an die Betriebe überwiesen. Darüber hinaus fordert der Verband eine befristete Senkung der Dieselsteuer bis Ende November.
Direkte Preisschocks für Verbraucher erwarten Experten und Politik vorerst nicht. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erklärte im ZDF, dass Lebensmittelpreise von vielen Faktoren wie Transport und Lieferketten abhängen und daher keine unmittelbaren Preissprünge zu befürchten seien. Auch der Deutsche Raiffeisenverband hält schlagartige Verteuerungen für unwahrscheinlich. Dennoch könnten Rückgänge bei Raps und Zuckerrüben zu einer höheren Importabhängigkeit führen, während knapper werdende Futtermittelreserven die Produktionskosten bei Fleisch, Milch und Eiern schrittweise beeinflussen könnten.
Wie nehmen Sie die Entwicklungen bei den Ernteergebnissen und den Lebensmittelpreisen in Ihrer Region wahr? Teilen Sie Ihre Beobachtungen gerne in den Kommentaren.































