Mit dem Beginn der neuen Fußball-Saison in Deutschland müssen sich Beteiligte und Fans auf veränderte Rahmenbedingungen einstellen. Nach dem Auftakt der 2. Bundesliga stehen nun die Begegnungen im DFB-Pokal sowie der anstehende Start der ersten Bundesliga bevor. Dabei greifen mehrere Regelanpassungen, die teilweise auf den Erfahrungen jüngster Großturniere aufbauen. Die Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes zielen darauf ab, die Nettospielzeit zu erhöhen und Unsportlichkeiten konsequenter zu ahnden. Allerdings übernimmt der deutsche Profifußball nicht alle internationalen Neuerungen unbesehen, sondern setzt auf gezielte Anpassungen für den heimischen Spielbetrieb.
- Ein Fünf-Sekunden-Countdown bei Abstößen und Einwürfen soll Zeitspiel konsequent verhindern.
- Der Video-Assistent überprüft künftig auch fehlerhafte Gelb-Rote Karten, soll eingriffsseitig aber eine höhere Schwelle wahren.
- Die Kapitänsregel wird zur Vermeidung von Rudelbildungen wieder konsequenter gehandhabt.
Internationale Vorgaben prägen die Saisonvorbereitung
Im Vorfeld der neuen Spielzeit werteten die Schiedsrichter-Verantwortlichen des DFB die Erfahrungen internationaler Turniere aus. Das International Football Association Board (IFAB) hatte für den Weltverband einige Regeln lediglich optional eingeführt. In Deutschland entschied man sich bewusst gegen die Übernahme sämtlicher Testregeln. So wird es in der Bundesliga keine Roten Karten für das Verdecken des Mundes mit der Hand oder das schiedsrichterkritische Verlassen des Spielfeldes geben.
Besonders im Umgang mit Unsportlichkeiten zieht der DFB eigene Schlusspunkte. Marco Fritz, Leiter Evaluation, Beobachtungen und Regelauslegung der DFB Schiri GmbH, betonte, dass das Verhalten bei der Weltmeisterschaft nicht beispielgebend für den heimischen Profifußball gewesen sei. Themen wie das Bedrängen des Unparteiischen („Mobbing the Referee“), der gezielte Kapitänsdialog sowie das Unterbinden einer schnellen Spielfortsetzung sollen in Deutschland wieder konsequenter gehandhabt werden als beim Großturnier.
Neue Zeitspiel-Regeln und VAR-Anpassungen treten in Kraft
Um die Nettospielzeit spürbar zu steigern, gelten ab sofort strikte Zeitvorgaben. Bei Abstößen und Einwürfen greift ein Fünf-Sekunden-Countdown: Wird die Zeit beim Abstoß überschritten, erhält das gegnerische Team einen Eckstoß; beim Einwurf wechselt das Einwurfrecht. Ausgewechselte Akteure müssen den Platz innerhalb von zehn Sekunden verlassen. Sollten sie diese Frist missachten, darf der Einwechselspieler das Feld erst bei der ersten Spielunterbrechung nach Ablauf einer Minute betreten. Wer auf dem Feld behandelt werden muss, hat den Platz zu verlassen und muss nach Wiederanpfiff eine Minute draußen warten. Torhüter sind von dieser Regelung ausgenommen.
Auch beim Video-Assistenten (VAR) gibt es Neuerungen. Seine Kompetenzen werden auf die Überprüfung der zweiten Gelben Karte bei einer Gelb-Roten Karte ausgeweitet – allerdings ausschließlich dann, wenn eine Verwarnung eindeutig falsch war oder eine Spielerverwechslung vorlag. Hat der Schiedsrichter eine gebotene Gelbe Karte übersehen, greift der Video-Assistent weiterhin nicht ein.
Das beim deutschen WM-Aus aberkannte Tor von Jonathan Tah gegen Paraguay hätte in der Bundesliga nach den aktuellen Bestimmungen gezählt.
Der Torwartschutz wird im deutschen Oberhaus im Vergleich zur WM nicht extrem ausgelegt: Das Blocken des Keepers ohne aktive Bewegung in ihn hinein bleibt ausdrücklich erlaubt. Zudem fallen persönliche Bestrafungen wegen der Vereitelung einer Torchance weg, wenn der Schiedsrichter Vorteil gewährt und daraus ein Treffer entsteht. Die Vorteilsregel kann künftig auch bei nicht korrekter Spielfortsetzung angewendet werden. Unverändert bleibt hingegen die Handspiel-Auslegung im Strafraum, mit der Fritz zufrieden ist. Für die Spielleitung in der Bundesliga sind in dieser Saison 22 Schiedsrichter zuständig – zwei weniger als zuletzt.
Der Start im Pokal erfolgt zunächst ohne Videoschiedsrichter
Die praktische Umsetzung der neuen Bestimmungen beginnt unmittelbar mit den anstehenden Aufgaben. In der ersten Runde des DFB-Pokals wird der Video-Assistent wie in den Vorjahren noch nicht eingesetzt. Erst mit dem Bundesliga-Start kommt die Videotechnik wieder zum Tragen, dann jedoch mit einer bewusst höher angesetzten Eingriffsschwelle. Ganz im Sinne der UEFA soll der VAR „stärker im Hintergrund“ agieren, wie Jochen Drees, Video-Chef beim DFB, verdeutlichte.
Auch Bundesliga-Sportdirektor Benjamin Schmedes hob hervor, dass es vorrangig um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen gehe, um die Zeit am Bildschirm zu minimieren. Dennoch rechnet die Führungsebene damit, dass sich Diskussionen über knappe Szenen nie gänzlich vermeiden lassen werden.
Wie bewerten Sie die neuen Regeln zum Zeitspiel und den zurückhaltenderen Einsatz des Videobeweises?































