Trotz der anhaltenden Führungskrise beim Weltfußballverband FIFA hat Präsident Gianni Infantino eine direkte Bitte seines Vizepräsidenten Victor Montagliani ignoriert. Montagliani, der auch dem nord- und mittelamerikanischen Verband CONCACAF vorsteht, hatte den Schweizer aufgefordert, einem U14-Jugendturnier in der Dominikanischen Republik fernzubleiben. Die Medienpräsenz um Infantino drohe den sportlichen Fokus der Veranstaltung in Punta Cana zu überlagern. Infantino reiste dennoch an, traf lokale Politiker sowie Sportfunktionäre und zeigte sich im Rahmen des Turniers der Karibischen Fußball-Union (CFU) öffentlich.
- CONCACAF-Chef Victor Montagliani bat Gianni Infantino per Brief, einem U14-Turnier fernzubleiben.
- Grund für den Appell ist die Vertrauenskrise nach Infantinos gescheitertem WM-Investorenplan.
- Infantino ignorierte das Schreiben, reiste in die Dominikanische Republik und traf dort Regierungsvertreter.
CONCACAF warnt vor Ablenkung durch die FIFA-Führungskrise
Montagliani hatte sich im Vorfeld per E-Mail an den FIFA-Chef gewandt.
„Ich bitte Sie im Namen des Fußballs höflich, Ihre Teilnahme noch einmal zu überdenken“, schrieb der CONCACAF-Präsident in dem Brief.
Er begründete den Schritt mit den Turbulenzen um den umstrittenen Vorschlag „FIFA Forward Enterprise“. Es sei zu befürchten, dass die Medien ihren Schwerpunkt auf die politische Krise verlagern und damit den sportlichen Charakter der Nachwuchsförderung beeinträchtigen.
Trotz des Schreibens empfingen Vertreter der Dominikanischen Republik den FIFA-Präsidenten. Sportminister Kelvin Cruz erklärte, der Besuch rücke das Land auf die internationale Fußballlandkarte und eröffne Entwicklungschancen. Infantino traf zudem den Präsidenten des dominikanischen Fußballverbands, Jose Deschamps. Kritischen Fragen von Medienvertretern wich Infantino in Punta Cana jedoch aus: Auf die Frage eines Sky-News-Reporters, ob er den Sport verraten habe und zurücktreten solle, antwortete er lediglich mit Scherzen.
Gescheiterter Investorendeal belastet die FIFA-Spitze
Hintergrund der Spannungen ist der gescheiterte Versuch Infantinos, Anteile an den künftigen kommerziellen Aktivitäten der FIFA an private Investoren zu verkaufen. Das Projekt sah vor, eine Tochtergesellschaft zu gründen, an der Investoren um Joshua Kushner – den Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – 20 Prozent der Anteile halten sollten. Die Einnahmen wurden auf rund 20 Milliarden US-Dollar (ca. 18,3 Milliarden Euro) geschätzt.
Nach massivem Widerstand zog Infantino den Plan am 1. August zurück. Kurz zuvor hatte der in Zürich ansässige FIFA-Betriebsleiter Kevin Lamour die Pläne und den Führungsstil des Präsidenten öffentlich kritisiert. Lamour wurde daraufhin entlassen.
Machtkampf im Weltverband verschärft sich
Für die Machtverhältnisse im Weltfußball verdeutlicht Infantinos Auftreten in der Karibik eine klare Taktik. Die Führungspersönlichkeiten der Kontinentalverbände UEFA (Europa), AFC (Asien) und CONCACAF haben sich gegen den FIFA-Präsidenten gestellt, werfen ihm Täuschung vor und fordern teilweise seinen Rücktritt. Die UEFA drohte in der Debatte gar mit dem Boykott von FIFA-Turnieren.
Dass Infantino die Nähe zu kleineren Regionalverbänden sucht, folgt den Strukturen des Weltverbands. Bei den Abstimmungen auf dem FIFA-Kongress besitzt jeder der 211 Mitgliedsverbände genau eine Stimme – unabhängig von der sportlichen oder wirtschaftlichen Größe des Landes.
Für Infantino, der bei der kommenden Wahl eine vierte Amtszeit bis 2031 anstrebt, sind die Stimmen der karibischen Verbände entscheidend, um den Widerstand der großen Konföderationen auszugleichen.
Die FIFA unterstützt regionale Verbände wie die CFU im Rahmen ihrer Förderprogramme mit bis zu 5 Millionen US-Dollar pro Vierjahreszyklus.
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