Ein ungewöhnlich starkes El-Niño-Phänomen steht nach Berechnungen des britischen Wetterdienstes Met Office bevor. Experten erwarten, dass die Wassertemperaturen im tropischen Ostpazifik um mehr als drei Grad Celsius über den vieljährigen Durchschnitt steigen werden – ein Wert, der in der modernen Klimaforschung ohne Beispiel ist. Das Ausmaß dieser Erwärmung droht globale Wettermuster drastisch zu verändern und könnte das Jahr 2027 zum wärmsten Jahr der Messgeschichte machen. Wissenschaftler warnen vor extremen Dürren sowie heftigen Niederschlägen in verschiedenen Weltregionen.
- Das Met Office erwartet das stärkste El-Niño-Ereignis seit mehr als hundert Jahren mit Temperaturabweichungen von über 3 °C.
- Laut Prognosen könnte das Jahr 2027 den bisherigen Hitzerekord aus dem Jahr 2024 ablösen.
- Erwartet werden schwere Dürren in Südamerika und Teilen Asiens sowie verstärkte Unwetter in anderen Regionen.
Pazifik erwärmt sich auf Rekordwerte
In den Modellrechnungen zeichnet sich ein Klimasignal ab, das selbst erfahrene Meteorologen überrascht. Laut Adam Scaife, Leiter der Langfristprognosen beim Met Office, übertrifft die vorhergesagte Intensität alle bisherigen Erfahrungen im modernen Beobachtungszeitraum. Aktuelle Daten der US-Klimabehörde NOAA zeigen, dass die Temperaturen im pazifischen Kerngebiet bereits 2,6 Grad Celsius über dem 30-jährigen Mittel liegen. Einzelne Auswertungen halten bis November sogar eine Abweichung von bis zu 3,9 Grad Celsius für möglich, was den bisherigen Extremwert aus dem Jahr 2015 deutlich übersteigen würde.
„Ich habe in unseren Vorhersagen noch nie ein so intensives El-Niño-Signal gesehen“, betonte Scaife mit Blick auf die erwartete Entwicklung.
Globale Kettenreaktionen bedrohen Ernten und Wasserversorgung
El Niño entsteht, wenn sich die Oberflächengewässer im tropischen Pazifik um mindestens 0,5 Grad Celsius über den Normalwert erwärmen. Obwohl es sich um eine natürliche Klimaschwankung handelt, die sich alle zwei bis sieben Jahre mit der kühleren La-Niña-Phase abwechselt, verstärkt der globale Klimawandel die Folgen erheblich. Für die weltweite Praxis bedeutet eine solche Erwärmung, dass sich die atmosphärische Zirkulation verschiebt: Während in Südostasien, Australien, Südafrika und Nordbrasilien schwere Dürren drohen, rechnen Meteorologen im Süden der USA sowie in Peru und Ecuador mit außergewöhnlichen Regenfällen. Auch im Horn von Afrika wird mit mehr Niederschlag gerechnet, während in Indien bereits jetzt unterdurchschnittlich wenig Regen fällt.
Für Agrarmärkte und die lokale Infrastruktur in den betroffenen Regionen bedeuten diese langanhaltenden Verschiebungen extreme Belastungen.
Das Temperaturmaximum verschiebt sich nach hinten
Da die im Ozean gespeicherte Wärme erst zeitversetzt an die Atmosphäre abgegeben wird, entfaltet das Phänomen seine volle Wirkung auf die globalen Durchschnittstemperaturen meist im Folgejahr. Nick Dunstone vom Met Office erklärt, dass 2027 mit hoher Wahrscheinlichkeit das bisher heißeste Jahr 2024 als Rekordhalter ablösen wird. Bereits 2024 hatte die globale Temperatur erstmals die Schwelle von 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau überschritten. Auch europäische Experten wie Carlo Buontempo vom EU-Klimawandeldienst Copernicus bestätigen den Trend, dass die kommenden Jahre von erneuten Temperaturrekorden geprägt sein dürften.
Wie blicken Sie auf die Vorhersagen extremer Wetterlagen und welche Maßnahmen halten Sie für dringend notwendig? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.































