Wenn der eigene Berufsweg ins Stocken gerät oder eine Neuorientierung ansteht, entscheiden oft nicht allein Fachkenntnisse über den Erfolg. Eine Untersuchung der US-Forscherin Sarah Wittman von der George Mason University sowie ihrer Ko-Autorinnen Bethany Cockburn von der Northern Illinois University und Amy Colbert von der University of Iowa beschreibt, wie Menschen ihre Anpassungsfähigkeit bei Karrierewechseln gezielt ausbauen können. In einem Beitrag für das Fachbuch „Research Handbook on Career Transitions“ schlägt das Team ein Modell vor, das auf drei zentralen Übergangsmuskeln basiert. Diese trainierbaren Fähigkeiten helfen dabei, veränderte Berufsrollen zu verarbeiten und Umbrüche im Erwerbsleben souverän zu gestalten.
- Ein US-Forschungsteam beschreibt Karriereanpassung als ein trainierbares System aus drei Fähigkeiten.
- Der Ansatz unterscheidet zwischen inhaltlicher Identitätsarbeit, dem Umgang mit Zwischenphasen und sozialen Ankerbeziehungen.
- Nichtlineare Lebensläufe gewinnen gegenüber geradlinigen Laufbahnen im modernen Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung.
Drei Fähigkeiten bilden die Basis für berufliche Veränderungen
Das entwickelte Modell gliedert die Anpassungsfähigkeit in drei miteinander verknüpfte Bereiche, die sich durch Wiederholung und schrittweise Steigerung stärken lassen. Der sogenannte Inhaltsmuskel betrifft die Fähigkeit, eine neue berufliche Identität schlüssig zu formulieren und das eigene Profil gezielt weiterzuentwickeln. Der Prozessmuskel adressiert den Umgang mit Phasen der Unsicherheit, sogenannten Schwebeszuständen oder der Liminalität, in denen die alte Rolle nicht mehr und die neue noch nicht vollständig greift. Der Kontextmuskel schließlich stärkt das soziale Fundament durch Ankerbeziehungen zu Mentorinnen, Mentoren und Wegbegleitern, die in Phasen des Wandels Orientierung bieten.
Nichtlineare Erwerbsbiografien verändern die Anforderungen am Arbeitsmarkt
Die Notwendigkeit solcher Fähigkeiten ergibt sich aus einem grundlegenden Wandel der Arbeitswelt, in der lebenslange Anstellungen bei einem einzigen Arbeitgeber immer seltener werden.
Auch auf dem deutschsprachigen Arbeitsmarkt weichen traditionell geradlinige Lebensläufe zunehmend flexibleren Biografien. Für Beschäftigte bedeutet dies, dass der Wechsel zwischen Branchen oder Positionen nicht mehr als Ausnahmesituation, sondern als wiederkehrende Aufgabe verstanden werden muss. Das verlangt von Einzelnen eine stärkere Eigeninitiative, um aus Unsicherheiten konstruktive Lernprozesse zu machen und die eigene Identität gegenüber Arbeitgebern authentisch zu vermitteln.
Konkrete Routinen stärken das persönliche Übergangsnetzwerk
Für die praktische Anwendung empfehlen die Autorinnen spezifische Verhaltensweisen. Zur Stärkung des Inhaltsmuskels gehört das Erproben der eigenen Entwicklungsgeschichte mit Personen, die konstruktives Feedback geben können, sowie das Knüpfen von Kontakten für die zukünftige Rolle. Der Prozessmuskel lässt sich trainieren, indem vergangene Umbruchphasen – etwa ein Wohnortwechsel, der Studienbeginn oder die Familiengründung – reflektiert und deren Bewältigungsmuster auf die aktuelle Situation übertragen werden. Für den Kontextmuskel ist der Aufbau gegenseitiger, nicht rein transaktionaler Mentorenverhältnisse entscheidend, um in Zeiten des Wandels Halt zu finden und anderen gleichzeitig als Anker zu dienen.
Haben Sie im Laufe Ihrer Karriere bereits einen größeren Orientierungswechsel erlebt? Welche Erfahrungen oder Kontakte haben Ihnen in dieser Übergangsphase am meisten geholfen? Teilen Sie Ihre Perspektive in den Kommentaren.































