Fast drei Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod des US-Rappers Tupac Shakur hat in Las Vegas der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Organisator der Tat begonnen. Dem 63-jährigen ehemaligen Gang-Anführer Duane „Keffe D“ Davis wird vorgeworfen, im September 1996 den tödlichen Racheakt aus einem vorbeifahrenden Auto heraus geplant und die Tatwaffe bereitgestellt zu haben. Zur Auftaktsitzung vor dem Gericht im US-Bundesstaat Nevada beschuldigte die Staatsanwaltschaft den Angeklagten, aus Vergeltung gehandelt zu haben. Davis plädiert auf nicht schuldig. Bei einer Verurteilung droht dem Beschuldigten eine lebenslange Haftstrafe.
- Der Mordprozess gegen Duane Davis hat rund 30 Jahre nach den Schüssen auf Tupac Shakur in Las Vegas begonnen.
- Die Staatsanwaltschaft wirft dem 63-Jährigen vor, den tödlichen Racheakt nach einer Schlägerei organisiert zu haben.
- Davis plädiert auf nicht schuldig, während die Verteidigung die Vorwürfe als unbewiesene Fiktion zurückweist.
Spannungen im Hip-Hop-Milieu führten zur Eskalation
Dem Verbrechen ging eine erbitterte Fehde voraus, die Mitte der 1990er Jahre zwischen Vertretern des Westküsten- und des Ostküsten-Hip-Hops tobte. Im Zentrum des Konflikts standen das kalifornische Label Death Row Records von Marion „Suge“ Knight und die in New York ansässige Plattenfirma Bad Boy Records von Sean „Diddy“ Combs. Shakur, der zwar an der Ostküste aufwuchs, unterzeichnete bei Death Row Records und wurde rasch zu einer zentralen Figur der Westküstenszene.
Ermittlungsberichten zufolge genoss Death Row Records Schutz durch die Straßenbande Mob Piru, während Bad Boy Records die rivalisierenden South Side Compton Crips unter der Führung des Angeklagten Davis als Leibwächter engagierte. Am Abend des 7. September 1996 hielten sich die Beteiligten wegen eines Boxkampfes von Mike Tyson im MGM Grand Hotel in Las Vegas auf. Dort gerieten Shakur und seine Begleiter mit Davis‘ Neffen Orlando Anderson aneinander und schlugen diesen vor laufenden Kameras nieder.
Tödliche Schüsse aus einem vorbeifahrenden Cadillac
Nach der Auseinandersetzung im Kasino organisierte Davis laut Anklage innerhalb von zweieinhalb Stunden die Vergeltungsmaßnahme. In einem weißen Cadillac spürten Davis, sein Neffe und zwei weitere Insassen den schwarzen BMW auf, in dem Shakur gemeinsam mit Suge Knight unterwegs war. Aus dem Cadillac heraus wurden an einer Ampel nahe dem Las Vegas Strip mehrere Schüsse auf das Fahrzeug abgefeuert.
Laut Staatsanwaltschaft feuerte Davis nicht selbst, lieferte jedoch die Waffe und gab den Befehl zu den tödlichen Schüssen.
Shakur wurde getroffen und starb sechs Tage später im Krankenhaus im Alter von 25 Jahren. Der Vorfall ging als eines der bekanntesten ungeklärten Verbrechen in die US-Kriminalgeschichte ein. In US-Strafverfahren kann eine Beteiligung an der Tatplanung oder die Bereitstellung der Tatwaffe juristisch ebenso schwer wiegen wie das Abdrücken selbst, weshalb Davis wegen Mordes mit einer Schusswaffe im Rahmen von Bandenkriminalität angeklagt ist.
2>Verteidigung bestreitet Beweise zum Prozessauftakt
Die Ermittlungen gerieten jahrzehntelang ins Stocken, da konkrete Beweise fehlten und sämtliche weiteren Insassen des Cadillacs in den Folgejahren starben. Bewegung kam erst in den Fall, nachdem Davis in Interviews und in seinen 2019 erschienenen Memoiren „Compton Street Legend“ seine Anwesenheit am Tatort geschildert hatte. Im September 2023 folgte schließlich die Festnahme.
Verteidiger Michael Sanft wies die Vorwürfe zum Verhandlungsauftakt vor Richterin Carli Kierny energisch zurück. Er warf den Behörden eine mangelhafte sowie fehlerhafte Ermittlungsarbeit vor und argumentierte, die Schilderungen seines Mandanten seien keine verlässlichen Fakten. Der Prozess soll voraussichtlich vier bis sechs Wochen dauern. Die Staatsanwaltschaft plant, im weiteren Verlauf zwischen 35 und 45 Zeugen aufzurufen.































