In modernen Fahrzeugen gehört eine Vielzahl an elektronischen Fahrhilfen und Komfortfunktionen mittlerweile zur Serienausstattung. Doch viele Autofahrer nutzen die verbauten Technologien kaum oder schalten sie sogar gezielt aus. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Marktforschungsinstituts Censuswide im Auftrag der britischen Händlergruppe Dick Lovett hervor, für die im Sommer 2026 insgesamt 1.350 Autofahrer in Großbritannien befragt wurden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass teure Hardware in vielen Fahrzeugen ungenutzt bleibt.
- Ein Fünftel der Autofahrer schaltet den automatischen Notbremsassistenten vollständig aus.
- Mehr als ein Viertel der Fahrer mit adaptivem Tempomaten nutzt das System trotz Ausstattung nie.
- Einfache Funktionen wie Bluetooth (58,3 Prozent) und Rückfahrkameras (45,7 Prozent) werden am häufigsten verwendet.
Aggressive Warnungen verleiten zum Deaktivieren der Technik
Ein wesentlicher Teil der Befragten verzichtet bewusst auf Sicherheitssysteme, die eigentlich Unfälle verhindern sollen. So schalten 21,3 Prozent der Autofahrer den automatischen Notbremsassistenten komplett ab. Viele Nutzer begründen dies damit, dass die Systeme zu aggressiv reagieren und mehr Probleme verursachen als lösen. Fast 18 Prozent meiden zudem den Spurhalteassistenten. Auch beim adaptiven Tempomaten schalten 25,9 Prozent der Besitzer das System nie ein; weitere 7 Prozent gaben an, gar nicht zu wissen, wie man es bedient. Sprachassistenten bleiben bei 17,8 Prozent ungenutzt. Ähnlich sieht es bei Head-up-Displays mit erweiterter Realität (AR) aus: 17,1 Prozent weigern sich, diese einzuschalten, und 7 Prozent kennen die Bedienung nicht.
Autofahrer bezahlen häufig für kostenintensive Sicherheitssysteme, die sie im Alltag aufgrund störender Eingriffe wieder deaktivieren.
Für die Automobilbranche verdeutlicht das ein logistisches und konzeptionelles Dilemma. Zwar schreiben Gesetzgeber Sicherheitssysteme wie Notbrems- und Spurhalteassistenten für Neuzulassungen schrittweise vor, doch die Akzeptanz leidet unter überempfindlichen Sensoren oder unverständlichen Menüführungen. Wenn Fahrer eingebaute Assistenten nach dem Motorstart sofort ausschalten, verpufft der gewollte Sicherheitsgewinn in der Praxis.
Nutzer bevorzugen einfache Funktionen und hängen vom Alter ab
Während komplexe Assistenzsysteme oft ausgeschaltet werden, erfreuen sich grundlegende und leicht verständliche Techniken großer Beliebtheit. Die Bluetooth-Koppelung führen 58,3 Prozent der Befragten als unverzichtbar an, gefolgt von Rückfahrkameras mit 45,7 Prozent, der integrierten Satellitennavigation mit 44,5 Prozent und beheizbaren Windschutzscheiben mit 41 Prozent. Dahinter folgen Sitzheizungen und kabelloses Laden von Smartphones mit jeweils 31,9 Prozent sowie Totwinkel-Assistenten (29,4 Prozent) und 360-Grad-Kameras (27,8 Prozent).
Die Nutzung variiert stark mit dem Alter der Fahrer. Bluetooth wird von 68,5 Prozent der 25- bis 34-Jährigen und 68,8 Prozent der 35- bis 44-Jährigen regelmäßig genutzt, aber nur von 49,7 Prozent der über 55-Jährigen. Kabelloses Laden ist bei den 35- bis 44-Jährigen mit 44,4 Prozent beliebt, fällt bei Fahrern ab 55 Jahren jedoch auf 20,7 Prozent ab. Die Fernstart-Funktion nutzen über ein Viertel der unter 35-Jährigen, aber nur 5,1 Prozent der Generation 55 Plus. Beheizbare Windschutzscheiben bilden die Ausnahme: Hier steigt die Nutzung von 27,2 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen auf fast 45 Prozent in der Altersgruppe von 45 bis 54 Jahren.
Fahrmodi werden insgesamt nur von 27,3 Prozent regelmäßig gewechselt, wobei die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen mit 38,3 Prozent am aktivsten ist. Aufwendige Komfortextras wie Massagesitze nutzen nur 22 Prozent der Befragten regelmäßig (67,3 Prozent besitzen diese nicht), AR-Head-up-Displays kommen bei 22,4 Prozent zum Einsatz (60,5 Prozent ohne Ausstattung) und Fernstart-Funktionen bei 24,5 Prozent (62 Prozent ohne Ausstattung). Zudem verfügen 57,3 Prozent nicht über eine App-gesteuerte Klimatisierung.
Hersteller stehen vor der Herausforderung besserer Erklärungen
Für Automobilhersteller zeigen die Studienergebnisse eine Lücke zwischen dem technischen Angebot und der tatsächlichen Nutzung auf. Wenn aufwendige Komfortfunktionen wie Massagesitze von der Mehrheit der Käufer ignoriert werden, steht die Zusammensetzung von Ausstattungspaketen auf dem Prüfstand. Dies könnte Hersteller dazu veranlassen, die Preisgestaltung bei Sonderausstattungen zu überdenken oder Systeme intuitiver zu gestalten.
Der Branchenexperte Alex Lee von Dick Lovett betont die Bedeutung einer besseren Einweisung durch Händler und Hersteller: Da Fahrzeuge immer komplexer werden, könne das Erlernen der Funktionen nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis verbessern, sondern auch die Sicherheit, den Komfort und das gesamte Fahrerlebnis steigern.
Wie handhaben Sie Fahrassistenten in Ihrem Auto? Schalten Sie Assistenten wie den Notbrems- oder Spurhalteassistenten regelmäßig aus, oder nutzen Sie alle verfügbaren Systeme?































