Ein einfaches Nahrungsergänzungsmittel auf Hefebasis kann bei Mäusen die Fähigkeit des Immunsystems zur Krebsbekämpfung signifikant stärken. Wie Wissenschaftler des Trinity College Dublin und des University College Dublin im Fachjournal Cell Reports berichten, führt die orale Aufnahme von Hefe-Beta-Glucan zu einer Umprogrammierung von Immunstammzellen im Knochenmark. Diese sogenannte trainierte Immunität zeigte in Tierversuchen lang anhaltende Abwehrreaktionen gegen Darm-, Haut- und Brustkrebszellen. Besonders bemerkenswert ist, dass der Wirkstoff auch durch Adipositas verursachte Immunschwächen ausgleichen konnte – ein Effekt, der selbst nach einer Gewichtsabnahme oft bestehen bleibt.
- Wissenschaftler aus Irland wiesen nach, dass orales Hefe-Beta-Glucan Stammzellen im Knochenmark von Mäusen umprogrammiert.
- Die Immunantwort verbesserte sich bei den Versuchstieren gegen Darm-, Haut- und Brustkrebszellen.
- Erstmals reichte die Anreicherung im Futter aus; frühere Versuche erforderten direkte Injektionen.
- Klinische Studien an Menschen müssen nun prüfen, ob sich die Ergebnisse übertragen lassen.
Wissenschaftler untersuchten die Neuprogrammierung von Stammzellen
In der Studie ging das Forschungsteam der Frage nach, wie sich der pflanzliche Stoff gezielt nutzen lässt, um geschwächte Abwehrkräfte neu auszurichten.
„Wir wollten untersuchen, ob ein gängiges Nahrungsergänzungsmittel, Hefe-Beta-Glucan, frühzeitige Immunzellen im Knochenmark so umprogrammieren kann, dass sie dauerhafte, verstärkte Anti-Tumor-Antworten erzeugen“, erklärte Dr. Anna Ledwith, Postdoktorandin am University College Dublin und Erstautorin der Arbeit.
Für die Experimente fütterten die Forscher Mäuse über einen Zeitraum von vier bis zwölf Wochen mit einer Standard- oder fettreichen Ernährung, die mit Hefe-Beta-Glucan angereichert war. Anschließend wurde das Immunsystem der Tiere mit verschiedenen Krebszelltypen konfrontiert, um die Abwehrreaktion zu messen.
Professoren betonen den Durchbruch bei oraler Einnahme
Bisherige wissenschaftliche Ansätze zur Erzeugung dieser Immunreaktion erforderten meist direkte Injektionen des Wirkstoffs. Die neuen Ergebnisse zeigen nun erstmals, dass die einfache Einnahme über die Nahrung genügt, um eine Umprogrammierung im Knochenmark auszulösen. „Dies ist der erste Nachweis, dass die orale Zufuhr von Hefe-Beta-Glucan ausreicht, um eine trainierte Immunität durch die Umprogrammierung von Knochenmarkstammzellen zu induzieren“, hob Prof. Helen Roche vom UCD Conway Institute hervor.
Besonders bedeutsam ist dies für die Behandlung von Übergewichtigen. Adipositas beeinträchtigt das Immunsystem nachhaltig und erhöht das Risiko für Infektionen sowie Tumorerkrankungen.
„Entscheidend ist, dass diese diätetische Intervention die angeborene Anti-Tumor-Immunität bei adipösen Mäusen wiederherstellt und langfristige Immungedächtnisdefekte umkehrt, die selbst nach einem Gewichtsverlust bestehen bleiben“, führte Roche weiter aus.
In der Immunbiologie galt das angeborene Immunsystem klassischerweise als ungerichtete Abwehr ohne langes Gedächtnis. Das Konzept der trainierten Immunität beschreibt jedoch, dass auch Stammzellen des angeborenen Immunsystems durch bestimmte Reize langfristig auf eine stärkere Abwehr getrimmt werden können.
Forscher sehen Potenzial für ergänzende Krebstherapien
Die Studienleitung sieht in den Befunden ein Fundament für rasche klinische Tests am Menschen. „Diese Forschung ebnet den Weg für diätetische Interventionsstudien bei Menschen mit Adipositas, chronischen Infektionen und anderen geschwächten Immunpopulationen“, betonte Prof. Frederick Sheedy vom Trinity College Dublin. Der verwendete Hefe-Zusatz mit der Bezeichnung Wellmune der Kerry Group ist bereits als Lebensmittelzusatzstoff im Handel erhältlich, was den Übergang zu klinischen Studien erleichtert.
„Letztlich könnte ein einfaches Nahrungsergänzungsmittel dazu beitragen, die Krebsbekämpfung des Immunsystems zu stärken und bestehende Behandlungen wie Chemotherapie und Immuntherapie zu ergänzen“, so Sheedy weiter.
Dennoch mahnen die Fachleute zur Einordnung der Ergebnisse: Bislang handelt es sich um reine Grundlagenforschung an Mäusen. Ob sich die im Tierversuch beobachteten Effekte auf den menschlichen Organismus übertragen lassen, müssen künftige Untersuchungen erst noch beweisen. Nahrungsergänzungsmittel stellen derzeit keinen Ersatz für medizinisch indizierte Krebstherapien dar.































