Eine Erhöhung des Verzehrs von Meeresfrüchten könnte Mangelerscheinungen in der brasilianischen Bevölkerung drastisch reduzieren. Dies geht aus einer neuen Untersuchung im Fachjournal Nature Food hervor, für die ein Forschungsteam um Juan Pablo Quimbayo und Luiza Waechter von der Universität Miami Daten von rund 30.700 Personen auswertete. Obwohl Brasilien über eine ausgedehnte Küstenlinie verfügt, liegt der Konsum von Fisch und Meeresfrüchten bei weniger als der Hälfte der empfohlenen Menge. Angesichts von schätzungsweise 33 Millionen von Ernährungsumsicherheit betroffenen Menschen fordert die Studie einen gezielten Ausbau nachhaltiger Aquakulturen, um die Nährstoffversorgung zu verbessern, ohne die natürlichen Wildfischbestände weiter zu belasten.
- Eine Steigerung des Meeresfrüchte-Anteils an der Proteinaufnahme von 6 auf 25 Prozent könnte Nährstoffdefizite signifikant verringern.
- Rund 33 Millionen Menschen in Brasilien sind von Ernährungsumsicherheit betroffen, 10,6 Millionen gelten als unterernährt.
- Der Verzehr von Fisch liegt derzeit bei weniger als der Hälfte der offiziellen Empfehlungen.
- Forscher sprechen sich für den Ausbau der Aquakultur aus, um eine Überfischung der Meere zu verhindern.
Ernährungsstudie deckt verdeckten Mikronährstoffmangel auf
Zur Ermittlung des Konsumverhaltens kombinierte das wissenschaftliche Team Befragungsdaten zur Nahrungsaufnahme mit Fischereistatistiken sowie Nährwertanalysen verschiedener Meeresfrüchte. Das Ziel war die Aufklärung der Frage, wie die heimische Versorgung genutzt werden kann, um der Unterernährung im Land entgegenzuwirken. In Brasilien gelten derzeit etwa 10,6 Millionen Menschen als unterernährt.
Obwohl die brasilianische Bevölkerung ihren täglichen Proteinbedarf im Durchschnitt erreicht, leidet sie häufig unter einem Mangel an essenziellen Mikronährstoffen wie Vitamin A, Magnesium und Kalzium.
Für die Ernährungspolitik bedeutet dieses Ergebnis, dass die bloße Menge an zugeführtem Eiweiß nicht ausreicht. Fleischarten wie Rind, Geflügel und Schwein dominieren traditionell den Speiseplan in vielen Regionen Brasiliens, decken aber das Spektrum an wichtigen Mikronährstoffen nicht vollständig ab. Durch eine Anhebung des Meeresfrüchte-Anteils an der gesamten Proteinaufnahme von derzeit 6 auf 25 Prozent ließen sich diese Lücken effektiv schließen.
Nachhaltige Aquakulturen entlasten bedrohte Meeresökosysteme
Die Analyse ergab zudem, dass die Nachfrage nach Fischprodukten in mehreren brasilianischen Bundesstaaten bereits das vorhandene Angebot übersteigt. Eine einfache Ausweitung des konventionellen Fischfangs halten die Studienautoren jedoch für gefährlich, da viele Fischbestände bereits unter starkem Nutzungsdruck stehen. Als Lösungsansatz schlagen sie die kontrollierte Fischzucht in Aquakulturen vor. Aquakulturen bezeichnen die kontrollierte Aufzucht von Wasserorganismen und gelten weltweit als wichtiger Baustein für die Nahrungssicherheit.
Ein Umstieg auf Meeresfrüchte bietet im Vergleich zur klassischen Rinderhaltung zudem ökologische Vorteile, da die Produktion von Aquakulturen oft mit geringeren Umweltbelastungen verbunden ist. Die Forschenden betonen, dass künftige Entscheidungen darüber, welche Arten gezüchtet oder gefischt werden, nicht allein nach der Masse, sondern explizit nach dem Nährstoffgehalt getroffen werden sollten. Der Schutz küstennaher Lebensräume wie Korallenriffe und Mangroven sei dabei unerlässlich, um die biologische Vielfalt und damit die Nahrungsgrundlage künftiger Generationen zu sichern.
Setzen Sie bei Ihrer eigenen Ernährung bewusst auf Meeresfrüchte als nachhaltige Proteinquelle? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren.































