UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat einer eigenen Kandidatur für das Amt des Fifa-Präsidenten eine Absage erteilt. Im britischen Podcast „The Rest is Politics“ stellte der 58-jährige Slowene klar, dass er nicht persönlich als Herausforderer des amtierenden Verbandschefs Gianni Infantino antreten werde. Dennoch hält Ceferin den Druck auf den 56-jährigen Schweizer aufrecht, der nach einer Welle der Entrüstung über gescheiterte Investorenpläne schwer angeschlagen ist. Ceferin erklärte, Infantino habe zwei Möglichkeiten: Er könne einsehen, dass ihm die politische Unterstützung fehlt und freiwillig weichen, oder er müsse beim kommenden Fifa-Kongress in Marokko gegen einen Gegenkandidaten antreten.
- UEFA-Chef Aleksander Ceferin schließt eine eigene Kandidatur für das Amt des Fifa-Präsidenten aus.
- Seinen Verzicht begründet Ceferin mit der höheren Glaubwürdigkeit als Regierungs-Kritiker.
- Die Kontinentalverbände UEFA, AFC und CONCACAF fordern eine Führung ohne Infantino.
- Für offizielle Gegenkandidaturen hat die Fifa den 18. November als Nominierungsfrist gesetzt.
Der Konflikt um Investoren-Pläne spaltet den Weltverband
Die aktuelle Krise im Weltfußball entzündete sich an den Plänen Infantinos, Fifa-Wettbewerbe wie die Weltmeisterschaft für externe Investoren zu öffnen. Obwohl der Fifa-Präsident das Vorhaben nach massiven Protesten schließlich zurückzog, ist die Opposition gegen seine Führung nicht abgeflaut. Neben der UEFA bezogen auch der asiatische Verband AFC sowie der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF Stellung gegen Infantino und forderten in einer gemeinsamen Erklärung die Einheit der „Fußballfamilie“ ein. Die UEFA drohte gar mit einem Boykott von Fifa-Turnieren.
Während Ceferin einräumte, seit Beginn des Konflikts nicht mehr persönlich mit dem ehemaligen UEFA-Generalsekretär Infantino gesprochen zu haben, versucht dieser, Rückhalt bei kleineren Mitgliedsverbänden zu sichern. Am Wochenende reiste Infantino in die Dominikanische Republik – ungeachtet der Bitte von CONCACAF-Chef Victor Montagliani, einem dortigen Jugendturnier fernzubleiben. In einer von der Fifa veröffentlichten Videobotschaft betonte Infantino, wie wichtig der Dialog sei, und zeigte sich erfreut über den Zuspruch, den er vor Ort erhalten habe.
Ceferin winkt ab, um seine Glaubwürdigkeit zu wahren
Mit seiner Entscheidung, nicht selbst gegen Infantino anzutreten, will der UEFA-Chef seine Position als Kritiker stärken.
„Meine Glaubwürdigkeit ist um ein Vielfaches höher, wenn ich kein Interesse an diesem Posten habe“, betonte Ceferin.
Zudem liebe er seine Arbeit an der Spitze der UEFA, wo seine Amtszeit ebenfalls endet. Ceferin zeigte sich jedoch überzeugt, dass das europäische Lager zusammen mit seinen Verbündeten bei einer Kandidatur Infantinos einen Gegenkandidaten ins Rennen schicken wird. Als mögliche Herausforderer gelten in Branchenkreisen CONCACAF-Präsident Victor Montagliani und AFC-Chef Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa.
Das weitere Verfahren und die Entscheidung in Marokko
Für die Opposition läuft nun die organisatorische Vorbereitung für den angestrebten Machtwechsel. Die Fifa hat den 18. November als Frist für die offizielle Nominierung von Herausforderern festgelegt. Die finale Entscheidung über die Verbandsspitze trifft der Fifa-Kongress in Rabat, bei dem die insgesamt 211 Mitgliedsverbände stimmberechtigt sind.
Im Wahlsystem der Fifa gilt das Prinzip „ein Land, eine Stimme“. Dadurch besitzen kleinere Nationalverbände exakt das gleiche Stimmgewicht wie große Fußballnationen, was Infantinos Strategie erklärt, sich auf die Unterstützung weniger wohlhabender Verbände zu stützen.
Für das europäische Lager bedeutet dies, dass ein Gegenkandidat nicht nur die Unterstützung der großen Verbände benötigt, sondern auch eine breite Koalition über die Kontinentalgrenzen hinweg schmieden muss.
Ob Infantino als einziger Kandidat bleibt oder sich einer Kampfabstimmung stellen muss, wird sich mit dem Ablauf der Nominierungsfrist im November zeigen.
Wie bewerten Sie die Führungskrise bei der Fifa? Sollte Gianni Infantino den Weg für einen Neuanfang frei machen? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren.































