Er war einer der bekanntesten Extrembergsteiger der Welt: Der 43-jährige britisch-nepalesische Alpinist Nirmal Purja, bekannt als „Nims Dai“, langjähriger Elitesoldat und Protagonist der erfolgreichen Netflix-Dokumentation „14 Peaks: Nichts ist unmöglich“. Nun ist Purja bei einer Expedition im Norden Pakistans ums Leben gekommen. Wie seine Agentur Elite Expeditions sowie pakistanische Alpinverbände am Samstag bestätigten, starben Purja und alle neun weiteren Mitglieder seiner internationalen Bergsteigergruppe am Donnerstag bei einem schweren Lawinenunglück am 8051 Meter hohen Broad Peak im Karakorum-Gebirge.
- Der weltberühmte Alpinist Nirmal Purja und neun weitere Bergsteiger starben bei einer Lawine am Broad Peak in Pakistan.
- Das Unglück ereignete sich am Donnerstag in etwa 6600 Metern Höhe während des Gipfelaufstiegs.
- Unter den Todesopfern sind neben sechs Nepalesen auch Alpinisten aus den USA, Oman, Pakistan und China.
Tragödie in 6600 Metern Höhe am Broad Peak
Die zehnköpfige Expedition befand sich am Donnerstag gegen Mittag auf rund 6600 Metern Höhe an der Flanke des Broad Peak, als eine Lawine die Gruppe erfasste. Nach Angaben von Naila Kiani vom pakistanischen Alpenverein (ACP) deuteten die Daten der mitgeführten Ortungsgeräte darauf hin, dass die Bergsteiger mehrere Hundert Meter den Hang hinabgeschleudert wurden.
Die Such- und Rettungsarbeiten im unwegsamen Gebiet der nordpakistanischen Region Gilgit-Baltistan gestalteten sich aufgrund extrem schlechten Wetters äußerst schwierig. Nachdem der Einsatz von Rettungshubschraubern am Freitag zeitweise ausgesetzt werden musste, setzten Bodenteams der pakistanischen Armee und Höhenträger die Suche am Samstag fort. Neben Purja starben fünf weitere Nepalesen – darunter der erfahrene Bergführer Pur Bahadur Gurung, der den Mount Everest bereits zehnmal bestiegen hatte –, die US-Amerikanerin Mallory Geis, die Omanerin Nadhira Al Harthy, der Pakistani Sohail Sakhi sowie der Chinese Wang Zhong.
Der nepalische Premierminister Balendra Shah sprach den Angehörigen sein Beileid aus und betonte, dass die Geschichte des Mutes und der Hingabe der verstorbenen Bergsteiger stets inspirierend bleiben werde.
Vom Elitesoldaten zum weltweiten Rekord-Alpinisten
Nirmal Purja diente 16 Jahre lang beim britischen Militär, unter anderem in der Eliteeinheit Special Boat Service sowie der Brigade of Gurkhas, bevor er sich ganz dem Bergsteigen widmete. Im Jahr 2018 wurde er mit dem britischen Ritterorden MBE ausgezeichnet. Weltweite Bekanntheit erlangte der in Nepal geborene und im englischen Hampshire lebende Sportler im Jahr 2019, als er alle 14 Achttausender der Erde in gut sechs Monaten bestieg – eine Leistung, die im erfolgreichen Netflix-Film „14 Peaks“ dokumentiert wurde.
Im Jahr 2021 gelang ihm zudem gemeinsam mit neun nepalesischen Gefährten die historische erste Winterbesteigung des K2. Zuletzt hatte sich Purja das Ziel gesetzt, als erster Mensch alle 14 Achttausender zweimal ohne zusätzlichen Sauerstoff zu besteigen. Purja hinterlässt seine Ehefrau und eine dreijährige Tochter.
„Die Welt hat einen der größten Bergsteiger verloren – einen Anführer, der Millionen von Menschen durch seinen Mut und seine Bescheidenheit inspirierte“, erklärte seine Agentur Elite Expeditions.
Hintergrund zum Karakorum-Gebirge
Der Broad Peak ist der zwölfthöchste Berg der Erde und liegt im Karakorum-Gebirge nahe der Grenze zwischen Pakistan und China, nur wenige Kilometer vom K2 entfernt. Erstmals 1957 von einer österreichischen Expedition bezwungen, verdankt der Berg seinen Namen seinem rund 1,5 Kilometer langen Gipfelgrat. Die Region zieht jährlich zahlreiche internationale Expeditionen an, gilt jedoch wegen extremer Wetterumschwünge und hoher Lawinengefahr als eines der gefährlichsten Alpinreviere der Welt.































