Der US-Medienanalyst Nielsen führt zur TV-Saison 2026/27 umfangreiche Methodenanpassungen in seiner amerikanischen Quotenmessung ein. Ab Ende August beziehungsweise Anfang September kommen unter anderem tragbare Messgeräte im Smartwatch-Design verstärkt zum Einsatz, um sogenanntes Co-Viewing und die TV-Nutzung außerhalb von Haushalten genauer abzubilden. Zudem aktualisiert der Branchenführer seine Datengrundlagen für Videostreaming, kabelgebundenes Fernsehen sowie spanischsprachige Haushalte. Die Überarbeitungen wurden mit der unabhängigen Aufsichtsbehörde Media Rating Council abgestimmt und sollen der Werbewirtschaft verlässlichere Kennzahlen liefern.
- Nielsen integriert tragbare Audiogeräte zur besseren Erfassung von gemeinsamem Fernsehen („Co-Viewing“) und Nutzung außerhalb der eigenen vier Wände.
- Aktualisierte Befragungsdaten lösen bisherige Zeitverzögerungen bei der Berechnung von Marktanteilen zwischen Streaming und linearem TV auf.
- Neue Analyseverfahren berücksichtigen spanischsprachige Haushalte präziser und verhindern eine rechnerische Überrepräsentanz älterer Personen.
Tragbare Sensoren erfassen das gemeinsame Zusehen
Um das veränderte Sehverhalten im Streaming-Zeitalter genauer abzubilden, setzt Nielsen verstärkt auf tragbare Sensoren, sogenannte Portable People Meter. Die herstellereigenen Geräte erinnern an Smartwatches und zeichnen die Tonspuren von Fernsehsendungen, Serien und Filmen passiv auf. Nielsen nutzt diese Technologie grundsätzlich bereits seit 2016 landesweit zur Messung von Audio, Lokal-TV und nationalem Publikum.
Durch die passive Audioerfassung entfällt für die Panelteilnehmer das manuelle Einloggen am Fernseher, was die Messung von Publikumsgruppen bei Feiern oder in Gaststätten vereinfacht.
Korrigierte Datengrundlagen stabilisieren die Werbewährung
Neben den Wearables überarbeitet Nielsen die Einbindung externer Marktstudien. Nach Bedenken von Kunden bezüglich veralteter Erhebungszeiträume nutzt der Konzern nun aktuellere Daten der DASH-Studie der Advertising Research Foundation. Zudem verknüpft Nielsen Erhebungen des US-Zensus mit der National Hispanic Enumeration Survey, um spanischsprachige Zielgruppen genauer zu differenzieren. Ein aktualisiertes Modell des maschinellen Lernens soll zudem verhindern, dass demografische Daten in der Auswertung künstlich zu älterer Jahrgängen tendieren.
Präzisere Daten sollen Kritik der Werbebranche entkräften
Die Reichweitenmessung von Nielsen gilt in den USA als zentrale Verhandlungsgrundlage, um Werbepreise zwischen Netzwerken, Streamingdiensten und Werbekunden festzulegen. Erst Anfang 2025 hatte Nielsen sein Modell „Big Data + Panel“ eingeführt, das Signale aus rund 45 Millionen Haushalten und 75 Millionen Geräten verarbeitet. Branchenverbände wie das Video Advertising Bureau hatten in der Vergangenheit jedoch Schwankungen und Unstimmigkeiten in den Daten kritisiert. Nielsen-Chef Karthik Rao betonte zum neuen Maßnahmenpaket: „Wir arbeiten unermüdlich daran, unseren Medien- und Werbekunden die genaueste Messung zu liefern.“ Die grundlegenden Markttrends – etwa die hohe Nutzung von Streamingangeboten – verändern sich durch die Anpassungen zwar nicht, erhalten aber eine aktualisierte statistische Basis.
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