Die spanische Exklave Ceuta auf nordafrikanischem Boden bildet zusammen mit der Nachbarstadt Melilla die einzige direkte Landgrenze der Europäischen Union zum afrikanischen Kontinent. Um eine erneute Massenüberquerung zu verhindern, haben Spanien und Marokko ihre Sicherheitskräfte rund um das Territorium in höchste Bereitschaft versetzt. Anlass für die Aufstockung sind gezielte Falschinformationen und Aufrufe auf Online-Plattformen, die zu einer gemeinsamen Grenzüberquerung am 15. August aufriefen. In den Beiträgen wurde fälschlicherweise behauptet, die Grenze werde an diesem spanischen Feiertag geöffnet sein.
- Spanien entsendet hunderte zusätzliche Polizisten und beordert Soldaten aus dem Urlaub nach Ceuta.
- Marokko errichtet Stacheldrahtsperren im Grenzort Fnideq und zieht Wasserwerfer sowie Patrouillenboote zusammen.
- Falsche Social-Media-Gerüchte über eine Grenzöffnung am 15. August lösten den Großeinsatz aus.
Massive Präsenz von Militär und Polizei an Land und See
Auf den Straßen der Exklave ist die Polizeipräsenz deutlich erhöht worden. Nach Angaben des spanischen Innenministers Fernando Grande-Marlaska sichern knapp 900 Beamte der Nationalpolizei die Grenze, unterstützt von rund 700 Angehörigen der Guardia Civil sowie etwa 2000 Soldaten, wobei viele Streitkräfte direkt aus dem Urlaub zurückgerufen wurden. Auf der marokkanischen Seite verwandelte sich die angrenzende Küstenstadt Fnideq ebenfalls in eine hochgerüstete Sicherheitszone. Neben zusätzlichen Zäunen aus NATO- und Stacheldraht stehen Wasserwerfer bereit, während Patrouillenboote den Küstenstreifen überwachen.
Die Behörden beider Länder wollen verhindern, dass sich die dramatischen Ereignisse von Ende Juli wiederholen, als geschätzt bis zu 80.000 Menschen versuchten, nach Ceuta zu gelangen.
Dramatische Ereignisse von Ende Juli als Auslöser
Hintergrund der extremen Sicherheitsvorkehrungen sind die Geschehnisse von Ende Juli. Damals gelangten zehntausende Migranten meist schwimmend über das Meer in die Exklave. Die Überfahrt endete für viele tödlich: Nach offiziellen Angaben aus Madrid wurden mindestens 83 Leichen im Meer geborgen, während Nichtregierungsorganisationen von weit mehr als 100 Todesopfern ausgehen. Die Mehrheit der Ankömmlinge kehrte zwar kurz darauf nach Marokko zurück, doch nach Schätzungen des Innenministeriums halten sich weiterhin rund 5000 Menschen in Ceuta auf – der Regionalpräsident spricht gar von bis zu 12.000 Personen.
EU und Plattformen reagieren auf Schleusernetzwerke
Nach der Krise Ende Juli beriefen die EU-Innenminister eine Krisensitzung ein, um ein härteres Vorgehen gegen kriminelle Schleusernetzwerke zu vereinbaren. Zudem kündigte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner finanzielle Nothilfe für den Grenzschutz an. Auch Technologiekonzerne wie Meta und TikTok sagten zu, Inhalte zu Grenzübertritten verstärkt auf Falschinformationen zu prüfen und gezielte Schleuseraufrufe zu sperren.































