Strengere Schutzzonen-Auflagen hindern Imker auf dem US-amerikanischen Festland bislang daran, ihren Honig als zertifiziertes Bio-Produkt zu verkaufen. Eine im Fachjournal Science of The Total Environment veröffentlichte Untersuchung stellt diese Vorgaben nun infrage. Wissenschaftler wiesen nach, dass Sammelbienen im Schnitt nur etwa 750 Meter von ihren Stöcken entfernt nach Nahrung suchen – weit weniger als die von den US-Behörden geforderte Pufferzone von 6,4 Kilometern (knapp vier Meilen). Die Ergebnisse könnten der Agrarbehörde USDA als Grundlage dienen, um die Beschränkungen zu lockern.
- US-Behörden verlangen derzeit einen schadstofffreien Radius von 6,4 Kilometern für Bio-Honig.
- Die tatsächliche mittlere Flugdistanz von Sammelbienen liegt laut der Studie bei nur rund 750 Metern.
- In Praxistests wies Honig von kleineren Bio-Höfen eine ähnlich geringe Belastung auf wie importierte Bio-Ware.
Messungen bestätigen reine Honigqualität auf kleineren Flächen
Für die Untersuchung richteten die Forscher um Ben DeMoras und Scott McArt im Jahr 2023 insgesamt 72 Bienenvölker auf sechs ökologisch bewirtschafteten Höfen im Nordosten der USA ein. Die Standorte waren in einem Umkreis von drei Kilometern zu 56 bis 93 Prozent von natürlichen oder halbnatürlichen Flächen wie Wäldern oder Brachland umgeben. Im Folgejahr analysierte das Team den erzeugten Honig an der Cornell Chemical Ecology Core Facility auf Rückstände von 96 Pflanzenschutzmitteln und verglich die Werte mit 20 handelsüblichen Bio- und Konventionell-Proben.
Die Analysen zeigten, dass der auf heimischen Bio-Höfen erzeugte Honig eine ähnlich niedrige Pestizidbelastung aufwies wie zertifizierte Importware.
Lediglich eine einzige Probe aus dem Nordosten überschritt die Höchstmengen der US-Lebensmittelbehörde FDA. Herkömmlicher Honig wies hingegen deutlich höhere Rückstandswerte auf. Da der mittlere Aktionsradius der Bienen bei knapp 750 Metern liegt, reichen nach Ansicht der Autoren bereits deutlich kleinere ökologische Flächen aus, um den geforderten Reinheitsgrad zu erzielen.
Strenge Abstandsregeln belasten die heimische Imkerei
Die aktuellen Vorschriften des US-Landwirtschaftsministeriums setzen einen zwingenden Radius von 6,4 Kilometern aus zertifiziertem Bio-Land oder unbelasteter Natur voraus. Auf dem Festland der USA ist eine solche Fläche kaum zu finden. In der Praxis führte dies dazu, dass mit Ausnahme von drei Erzeugern auf Hawaii nahezu alle Imker des Landes vom Bio-Markt ausgeschlossen sind. Ein Großteil des in den USA konsumierten Bio-Honigs wird deshalb aus dem Ausland importiert, unter anderem aus Brasilien.
Der Zugang zum Bio-Markt verspricht Preisaufschläge von 20 bis 30 Prozent gegenüber konventionellem Honig.
Diese Zusatzeinnahmen könnten der Branche eine wichtige Stütze bieten. Die US-Imkerei leidet unter hohen Völkerverlusten, die vor allem durch die Varroamilbe verursacht werden: Im Jahr 2024 verloren US-Betriebe 56 Prozent ihrer Völker, im Jahr davor 39 Prozent. Um die Milbe zu bekämpfen, nutzen konventionelle Betriebe häufig das chemische Insektizid Amitraz, das sich im Wachs der Waben anreichern kann. Bio-Betriebe greifen stattdessen auf natürliche organische Säuren oder Hopfenextrakte zurück, die keine langfristigen chemischen Rückstände in den Waben hinterlassen.
Forscher fordern Anpassung der behördlichen Standards
Laut der Studie führt bereits einer von fünf US-Imkern seine Stöcke nach biologischen Methoden. Eine Überarbeitung der Abstandsregeln würde diesen Betrieben die Möglichkeit eröffnen, ihre Produkte offiziell als Bio-Honig zu vermarkten und damit wirtschaftlich zu profitieren.
In einem nächsten Schritt plant das Forschungsteam unter Beteiligung der Pennsylvania State University und der Auburn University, die Messungen auf weitere Regionen der USA auszuweiten. Damit soll eine breitere Datenbasis geschaffen werden, um den Behörden eine praxisnahe Neugestaltung der Bio-Zertifizierung vorzuschlagen.
Sollten Bio-Standards flexibler an wissenschaftliche Flugdaten angepasst werden oder halten Sie maximale Schutzradien für unverzichtbar? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!































