Der US-Medienkonzern Warner Bros. Discovery hat am 21. Juli beim Obersten Gericht von Kalifornien im County Los Angeles Klage gegen Amazon eingereicht. Dem Online-Riesen wird vorgeworfen, gezielt und rechtswidrig Führungskräfte mit laufenden Zeitverträgen abgeworben zu haben. Auslöser des Rechtsstreits ist der Wechsel von Pia Barlow, der bisherigen Marketingchefin für Eigenproduktionen bei HBO Max, zu den Amazon MGM Studios. Warner Bros. Discovery beschuldigt Amazon der unlauteren Konkurrenz sowie der vorsätzlichen Beeinträchtigung vertraglicher Beziehungen und fordert Schadensersatz sowie eine gerichtliche Verfügung gegen weitere Abwerbungen.
- Warner Bros. Discovery beschuldigt Amazon vor Gericht in Kalifornien des illegalen Abwerbens vertraglich gebundener Führungskräfte.
- Im Zentrum des Streits steht die Marketingexpertin Pia Barlow, die trotz eines bis Oktober 2027 laufenden Vertrags zu Amazon wechselt.
- Amazon soll Mitarbeiter mit höheren Gehältern und dem Versprechen der Übernahme von Anwaltskosten zum Vertragsbruch bewegt haben.
Kulturkampf zwischen Silicon Valley und Hollywood
Die Auseinandersetzung verdeutlicht die zunehmenden Spannungen zwischen traditionellen Hollywood-Studios und kaufkräftigen Tech-Konzernen, die im Streaming-Markt Fuß fassen wollen. Während in der Entertainment-Branche feste Zeitverträge für Führungskräfte üblich sind, um Kontinuität und Planungssicherheit zu gewährleisten, setzen Technologieunternehmen meist auf flexible Beschäftigungsverhältnisse ohne feste Laufzeiten.
In der Vergangenheit führten diese unterschiedlichen Praktiken bereits mehrfach zu juristischen Auseinandersetzungen. So gewann das Studio 20th Century Fox im Jahr 2021 nach einem fünfjährigen Rechtsstreit gegen den Streamingdienst Netflix wegen des Abwerbens von zwei Studio-Managern. Auch Disney legte vor Kurzem eine Klage gegen die Google-Tochter YouTube bei, nachdem diese einen erfahrenen Sport-Sparte-Manager abgeworben hatte.
Vor dem aktuellen Streitfall soll Amazon bereits versucht haben, weitere Spitzenkräfte von HBO abzuwerben. Unter anderem stand die Drama-Chefin Francesca Orsi im Visier des Konzerns, entschied sich jedoch gegen einen Wechsel. Bei Pia Barlow hingegen war der Versuch erfolgreich: Trotz eines noch bis zum 31. Oktober 2027 gültigen Vertrags verließ sie das Unternehmen mehr als 16 Monate vor Ablauf der Frist.
2>Warner Bros. wirft Amazon gezielten Vertragsbruch vor
Am 21. Juli reichte Warner Bros. Discovery schließlich die formelle Klageschrift ein. In dem Dokument wirft das Medienunternehmen dem Tech-Riesen vor, sich auf Kosten etablierter Branchengrößen zu bedienen, statt eigene Kapazitäten aufzubauen. Amazon habe eine Gesetzlose Shopping-Spree veranstaltet und gezielt Vertragsbrüche provoziert.
Laut Klageschrift bot Amazon der Managerin nicht nur ein deutlich höheres Gehalt an, sondern sicherte ihr auch die vollständige juristische Absicherung und eine von Amazon ausgewählte Anwaltskanzlei zu, falls sie wegen Vertragsbruchs belangt werden sollte.
Warner Bros. Discovery argumentiert, dass das Verhalten von Amazon das Vertrauen in befristete Führungskräfteverträge in der gesamten Branche untergräbt. Die Klägerinnen beschuldigen Amazon unter anderem der vorsätzlichen Beeinträchtigung vertraglicher Beziehungen, der Verleitung zum Vertragsbruch sowie des unlauteren Wettbewerbs. Amazon MGM Studios lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab.
2>Antritt der neuen Stelle und bevorstehende Gerichtsentscheidung
Ungeachtet der laufenden Klage soll Pia Barlow bereits am 3. August ihre neue Position als Head of Original Series Marketing bei den Amazon MGM Studios antreten. Dort wird sie direkt an die globale Marketingleiterin Sue Kroll berichten.
Im weiteren Verfahren muss nun das kalifornische Gericht entscheiden, ob eine einstweilige Verfügung gegen Amazon erlassen wird, die dem Konzern weitere Abwerbeversuche untersagt. Zudem verlangt Warner Bros. Discovery eine noch nicht bezifferte finanzielle Entschädigung für den entstandenen Schaden. Das Urteil könnte wegweisend dafür sein, wie durchsetzungsfähig traditionelle Zeitverträge in Kalifornien gegenüber expandierenden Tech-Konzernen künftig bleiben.
Wie beurteilen Sie den Streit um Spitzenpersonal im Streaming-Markt: Sollten feste Vertragslaufzeiten auch bei Top-Gehältern strikt durchgesetzt werden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren.




























