Ziel des italienischen Start-ups Generative Bionics ist es, die Koexistenz von Mensch und Maschine in Fabrikhallen sicherer zu gestalten. Mit dem Modell Gene.01 stellt das Unternehmen einen humanoiden Roboter vor, der von einem Netz aus Sensoren umgeben ist. Diese schützende Haut erfasst Annäherungen, Berührungen, Temperaturen und Kräfteleitungen simultan. Dadurch kann die Maschine nahende Arbeiter frühzeitig registrieren und ihre Bewegungen bereits vor einer potenziellen Kollision anpassen. Das Funktionsprinzip gleicht dem menschlichen Schutzreflex, bei dem die Hand vor einer heißen Herdplatte zurückgezogen wird, bevor es zu einer Verletzung kommt.
- Der humanoid Roboter Gene.01 erfasst Berührungen, Nähe, Temperatur und Kraft über eine durchgehende Sensorhaut.
- Das System basiert auf Forschung des Italian Institute of Technology (IIT) zum Konzept der Physical AI.
- Eine Anschubfinanzierung über 81 Millionen US-Dollar sichert die Weiterentwicklung und den Einsatz beim Schiffbauer Fincantieri.
Firmenchef Daniele Pucci sieht in dem Konzept einen klaren Vorteil gegenüber bisherigen Entwicklungen im Bereich der Robotertechnik. „Anders als andere Einheitslösungen ist Gene.01 eine skalierbare Plattform, die auf Ebene von KI, Design und Endeffektoren angepasst wird, um die individuellen Kundenanforderungen bestmöglich zu erfüllen“, erklärte Pucci. Das erklärte Ziel des Unternehmens sei es, den Menschen durch Roboter zu unterstützen, die die physische Welt wahrnehmen, fühlen und direkt von ihr lernen können.
Sensoren ermöglichen physisches Anlernen von Greifkräften
Die technologische Grundlage geht auf Forschungen des Italian Institute of Technology (IIT) zurück, die in der Fachzeitschrift Nature Machine Intelligence veröffentlicht wurden. Generative Bionics nutzt dabei den Ansatz der sogenannten Physical AI, bei dem Mechanik, Bewegungssteuerung und Hardware als einheitliches System entwickelt werden. Dies erlaubt es, die Stabilität und Ergonomie des Roboters anhand realer Messdaten parallel zur Steuerungssoftware zu optimieren.
Anstatt Bewegungsabläufe rein digital oder per Video zu programmieren, können Fachkräfte dem Roboter neue Aufgaben durch direkte physische Führung der Roboterarme beibringen.
Diese Methode löst eine fundamentale Herausforderung der Industrieautomatisierung: Der Roboter erlernt fühlbar, wie viel Druck nötig ist, um Gegenstände sicher zu halten, ohne sie zu beschädigen.
Europäische Allianz treibt eigene Lieferketten voran
Neben der reinen Hardwareentwicklung verfolgt Generative Bionics das Ziel, ein eigenständiges europäisches Ökosystem für Physical AI mit geschützten Lieferketten und eigenen Sicherheitsstandards aufzubauen. Dazu hat das Start-up eine strategische Allianz mit dem deutschen Unternehmen Synapticon geschlossen. Gemeinsam wollen die Partner in Europa gefertigte Aktuatoren – die motorisierten Gelenke des Roboters – entwickeln, wobei die Endmontage, Kalibrierung und Sicherheitsprüfung auf europäischem Boden erfolgen sollen.
Das wirtschaftliche Fundament steht bereits: In einer Anschubfinanzierung unter der Führung von CDP Venture Capital sammelte das Unternehmen 81 Millionen US-Dollar von Investoren wie AMD Ventures, Duferco, Eni Next, RoboIT und Tether ein. Der erste Praxistest ist bereits gestartet: In Kooperation mit dem Schiffbaukonzern Fincantieri wird derzeit ein humanoider Schweißroboter für den Werfteinsatz entwickelt.
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