Die russischen Streitkräfte haben bei einem schweren Angriff auf das südostukrainische Dorf Raduschne nahe Krywyj Rih das Wohnhaus einer Familie zerstört. Nach Angaben der Behörden kamen dabei mindestens sechs Menschen ums Leben, darunter drei Kinder. Mehrere weitere Kinder werden noch unter den Trümmern vermutet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte mit, dass nach vorläufigen Erkenntnissen erstmals seit einer monatelangen Pause wieder eine ballistische Rakete aus nordkoreanischer Fertigung eingesetzt wurde. Selenskyj verurteilte das Vorgehen und sprach von einer gefährlichen Allianz zwischen Moskau und Pjöngjang.
- Mindestens sechs Menschen starben bei einem Raketeneinschlag im Dorf Raduschne.
- Ukrainische Auswertungen deuten auf den ersten Einsatz einer nordkoreanischen Rakete seit Monaten hin.
- Präsident Selenskyj fordert vom Westen erneut dringend weitere Patriot-Flugabwehrsysteme.
Die Vorgeschichte der nordkoreanischen Waffenhilfe
Die Ukraine registrierte die Nutzung nordkoreanischer Raketen erstmals im Januar 2024. Kiew beschuldigte Pjöngjang in der Folge, rund 148 ballistische Waffen an den Kreml geliefert zu haben. Unter diesen Munitionsarten befanden sich vor allem die Typen KN-23 und KN-24. Die KN-23 besitzt eine Reichweite von 300 bis 400 Meilen (rund 480 bis 640 Kilometer) und einen 500 Kilogramm schweren Sprengkopf, während die kleineren KN-24-Raketen auf etwa 250 Meilen (rund 400 Kilometer) kommen.
Ukrainische Analysen wiesen darauf hin, dass die KN-23 auf jahrzehntealten Fertigungsmethoden basiert und als technisch anfällig gilt. Rund die Hälfte der abgefeuerten Geschosse explodierte nach Behördenangaben vorzeitig in der Luft. Die Einsätze dieser Waffen nahmen mit der Zeit deutlich ab: Nach Auswertung des ukrainischen Geheimdienstes verfügte Russland im Juli 2025 noch über etwa 50 KN-23-Raketen. Der bislang letzte dokumentierte Einsatz stammte aus dem August 2025.
Ballistische Kurzstreckenraketen stellen für die Flugabwehr eine immense Herausforderung dar, da sie extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen und im Gegensatz zu Marschflugkörpern auf einer steilen Bogenbahn ins Ziel stürzen.
Der tödliche Raketeneinschlag in Raduschne
Der jüngste Angriff traf die Ortschaft Raduschne in unmittelbarer Nähe von Krywyj Rih, der Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten. Eine einzelne ballistische Rakete riss das Haus einer Familie völlig auseinander. Sechs Menschen starben. Vier weitere Kinder blieben unter den Trümmern vermutet, während Einsatzkräfte zwei Kinder lebend bergen konnten.
Präsident Selenskyj verurteilte den Beschuss scharf und warf Moskau sowie Pjöngjang die gezielte Tötung ukrainischer Kinder vor. Zeitgleich zum Angriff auf das Dorf meldeten ukrainische Stellen und die NATO, dass ein russischer Marschflugkörper vom Typ Ch-101 rund 60 Meilen (etwa 96 Kilometer) tief auf polnisches Staatsgebiet gestürzt sei und dort einen fünf Meter tiefen Krater hinterlassen habe.
Anstehende Untersuchungen und neue Forderungen an den Westen
In den kommenden Tagen sollen genaue forensische Untersuchungen der Trümmerteile in Raduschne Klarheit darüber schaffen, ob es sich tatsächlich um eine KN-23 oder einen vergleichbaren Typ handelte. Dies bedeutet für die Ukraine auch eine strategische Klärung: Es muss geprüft werden, ob Russland auf alte Restbestände zurückgriff oder eine neue Waffenlieferung aus Nordkorea erhalten hat.
Angesichts der anhaltenden Angriffe rief Selenskyj die westlichen Verbündeten erneut zur Lieferung moderner Flugabwehrsysteme auf, insbesondere des Typs Patriot. Der Ukraine fehlen derzeit ausreichende Abfangraketen, um die regelmäßigen Wellen aus ballistischen Geschossen und Drohnen wirksam zu stoppen. Zudem rechnet Kiew mit einer weiteren personellen Verstärkung der russischen Truppen durch bis zu 30.000 nordkoreanische Soldaten, nachdem bereits im Herbst 2024 geschätzte 10.000 bis 14.000 Soldaten aus Nordkorea eingetroffen waren.




























