Der US-Flugzeugbauer Boeing strebt trotz anhaltender Verluste für das Gesamtjahr erstmals seit 2023 wieder einen positiven freien Barmittelfluss an. Angetrieben von einer erhöhten Fertigungsrate beim Verkaufsschlager 737 MAX und steigenden Flugzeugauslieferungen verzeichnete das Unternehmen im zweiten Quartal einen Mittelzufluss von 631 Millionen US-Dollar. Allerdings führten erneut ausufernde Kosten beim Prestigeprojekt der neuen US-Präsidentenmaschine Air Force One dazu, dass der bereinigte Verlust je Aktie mit 0,76 US-Dollar deutlich höher ausfiel als von Marktbeobachtern erwartet.
- Ein Sonderabschreiber von 280 Millionen US-Dollar für die neue Air Force One drückt das Quartalsergebnis tiefer in die roten Zahlen als prognostiziert.
- Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 24,56 Milliarden US-Dollar, während die Auslieferungen im Vergleich zum Vorjahr auf 171 Maschinen zulegten.
- Beim freien Barmittelfluss verzeichnete Boeing 631 Millionen US-Dollar und peilt im Gesamtjahr bis zu drei Milliarden US-Dollar an.
Ausufernde Kosten beim US-Präsidentenjet belasten das Ergebnis
Hauptursache für die Enttäuschung auf der Ergebnisseite ist das Rüstungsprogramm für die nächste Generation der Air Force One. Im abgelaufenen Jahresviertel musste der Konzern eine weitere Sonderabschreibung in Höhe von 280 Millionen US-Dollar (rund 258 Millionen Euro) auf die zwei bestellten Maschinen vom Typ Boeing 747-8 vornehmen.
Die US-Regierung hatte die beiden Großraumflugzeuge bereits im Jahr 2018 zu einem Festpreis von 3,9 Milliarden US-Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro) geordert. Bei solchen Festpreisverträgen liegt das finanzielle Risiko für Unwägbarkeiten und Verzögerungen vollumfänglich beim Hersteller. Da Boeing inzwischen mehr als vier Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt und das Budget um mehr als eine Milliarde Dollar überschritten hat, schlagen nachträgliche Anpassungs- und Fertigungskosten direkt als Verlust zu Buche. Unter anderem geänderte Anforderungen aus der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump hatten das Projekt verzögert. Die Auslieferung der Maschinen wird erst für 2028 erwartet.
Obwohl der Nettoverlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 30 Prozent auf 428 Millionen US-Dollar schrumpfte, lag der bereinigte Verlust pro Aktie von 0,76 US-Dollar mehr als doppelt so hoch wie die Prognose der Analysten von 0,30 US-Dollar.
Steigende Auslieferungen kurbeln den Konzernumsatz an
Im operativen Tagesgeschäft zeigt die Tendenz bei Boeing hingegen nach oben. Der Konzernumsatz kletterte im zweiten Quartal um acht Prozent auf 24,56 Milliarden US-Dollar (ca. 22,6 Milliarden Euro) und übertraf damit die Erwartungen der Wall Street. Treiber dieser Entwicklung war das zivile Flugzeuggeschäft: Die Auslieferungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent von 150 auf 171 Maschinen.
Besonders der Hochlauf der Produktion des Kurz- und Mittelstreckenflugzeugs 737 MAX nimmt Gestalt an. Boeing arbeitet derzeit daran, die monatliche Fertigungsrate auf 47 Maschinen zu steigern, wobei weitere Erhöhungen geplant sind. Boeing-Chef Kelly Ortberg betonte in einer Mitteilung an die Belegschaft, dass die Fortschritte in den Entwicklungsprogrammen stetig vorangehen, der Konzern aber den Fokus auf Sicherheit, Qualität und Termintreue halten müsse.
Für das Gesamtjahr hält das Management an seinem Ziel fest, einen freien Barmittelfluss zwischen einer und drei Milliarden US-Dollar zu erreichen – es wäre der erste positive Wert in dieser Kennzahl seit 2023.
Zulassungen weiterer Flugzeugtypen stehen bevor
Neben der Produktion der 737 MAX stehen für Boeing in naher Zukunft wichtige Meilensteine bei den Zulassungsverfahren an. Als Nächstes wird die Zertifizierung der 737 MAX 7 erwartet, der kleinsten Variante der Modellfamilie. Zudem warten Investoren und Kunden auf Fortschritte bei den Zulassungen der 737 MAX 10 sowie des neuen Langstreckenflugzeugs 777X.
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