Der deutsche Automobilhersteller Mercedes-Benz ruft in den USA insgesamt 310.667 Fahrzeuge wegen eines potenziell gefährlichen Bauteilfehlers zurück. Ein korrosionsanfälliger Mikroschalter im Türschloss der Fahrerseite kann dazu führen, dass die Elektronik das Öffnen der Fahrertür nicht mehr registriert. In der Folge greifen automatische Schutzmechanismen wie die elektronische Parkbremse oder die automatische Parkposition nicht. Im schlimmsten Fall droht das Fahrzeug nach dem Aussteigen der Insassen unbeabsichtigt wegzurollen.
- Mercedes-Benz ruft in den USA 310.667 Fahrzeuge verschiedener Modellreihen zurück.
- Ein defekter Mikroschalter an der Fahrertür kann das automatische Aktivieren der Parkbremse verhindern.
- Erste Kundenbeschwerden zwischen 2021 und 2024 betrafen zunächst nicht abschaltende Radios oder Lichter.
- Vertragshändler tauschen das fehlerhafte Türschloss für betroffene Fahrzeughalter kostenlos aus.
Erste Kundenbeschwerden führten die Ingenieure auf die Spur
Die Untersuchungen rund um das Problem begannen nicht mit Unfällen, sondern mit alltäglichen Beobachtungen von Autobesitzern. Zwischen den Jahren 2021 und 2024 verzeichnete Mercedes-Benz erste Rückmeldungen von Fahrern, deren Fahrzeuge sich nach dem Verlassen ungewöhnlich verhielten. Unter anderem schalteten sich das Autoradio oder das Innenlicht nach dem Aussteigen nicht mehr automatisch ab, weil das Fahrzeug das Öffnen der Tür schlicht nicht bemerkte.
Insgesamt erfasste der Hersteller in den USA 176 Fälle aus dem Feldbetrieb, bei denen entsprechende Symptome auftraten. Während in den USA bisher keine Unfälle durch wegrollende Autos im Zusammenhang mit diesem Defekt bekannt sind, kam es außerhalb der USA bereits zu Vorfällen. Die anschließenden Untersuchungen ergaben, dass Luftfeuchtigkeit, Hitze und Kondenswasser in das Gehäuse des Schalters eindringen und dort im Laufe der Zeit Korrosion auslösen können.
Fehlerhafte Zuliefererteile beeinträchtigen elektronische Schutzsysteme
Grund für das Problem ist ein Entwicklungsfehler beim Zulieferer, durch den das Gehäusematerial des Mikroschalters unter bestimmten klimatischen Bedingungen nicht ausreichend dicht bleibt. Das eigentliche Türschloss funktioniert zwar weiterhin mechanisch einwandfrei, doch die elektronische Rückmeldung an die Bordelektronik fällt aus.
Moderne Fahrzeuge sind darauf angewiesen, das Öffnen der Fahrertür zu erkennen, um Sicherheitsfunktionen wie den automatischen Parkmodus zuverlässig auszulösen.
Der Fall zeigt deutlich, wie sich der Einsatz von Gleichteilen über viele Modellreihen hinweg auswirken kann. Fällt ein einzelnes Zulieferteil aus, betrifft der Mangel schnell hunderte Tausend Fahrzeuge unterschiedlicher Klassen. Betroffen sind in den USA unter anderem die A-Klasse (Modelljahre 2019–2022), der CLA (2020–2021), die C-Klasse (2022–2023), der CLE (2024), GLA und GLB (2020–2026) sowie der GLC (2023–2024) inklusive verschiedener AMG- und 4Matic-Ausführungen. Den größten Anteil machen SUV-Modelle wie der GLB 250 4Matic mit 71.696 Einheiten aus, während von einzelnen Hochleistungsmodellen wie dem AMG CLE 53 Coupe nur ein einziges Exemplar in den Unterlagen steht.
Kostenloser Austausch des Türschlosses in den Werkstätten
Um das Sicherheitsrisiko zu beseitigen, ersetzen die Vertragswerkstätten das Fahrertürschloss der betroffenen Fahrzeuge kostenfrei durch ein überarbeitetes Bauteil. Durch Anpassungen in der Produktion des Zulieferers weisen Fahrzeuge, die ab dem 20. Mai 2026 gefertigt werden, diesen Fehler laut Herstelleringaben nicht mehr auf.
Für die Halter bedeutet die Rückrufaktion zwar einen kurzen Werkstattaufenthalt, schützt jedoch vor unbemerkten Gefahren beim Parken.
Verlassen Sie sich beim Parken Ihres Autos auf elektronische Assistenten oder sichern Sie den Wagen grundsätzlich manuell ab? Teilen Sie Ihre Meinung in den Kommentaren!




























