Mit deutlichen Worten hat die Europäische Fußball-Union UEFA auf Pläne des Weltfußballverbands FIFA reagiert, kommerzielle Rechte an künftigen Weltmeisterschaften an private Investoren abzutreten. Der Weltfußballverband FIFA kündigte am Dienstag die Ausgliederung des kommerziellen Geschäfts in ein neues Tochterunternehmen namens FIFA Forward Enterprise (FFE) an. Von dem Vorstoß verspricht sich die FIFA Einnahmen von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar. Während die UEFA davor warnt, dass die „Seele des Fußballs“ nicht käuflich sei, lockt der Weltverband seine 211 Mitgliedsverbände mit drastisch erhöhten Fördergeldern für deren Zustimmung.
- Die FIFA plant die Ausgliederung ihrer Vermarktungsrechte in die neue Tochtergesellschaft FIFA Forward Enterprise.
- Minderheitsanteile im Wert von bis zu 4,2 Milliarden US-Dollar sollen an private Investoren veräußert werden.
- Die UEFA kritisierte den Schritt scharf und erklärte, der Fußball stehe nicht zum Verkauf.
UEFA spricht von überschrittener Linie und Intransparenz
Die Reaktion des europäischen Dachverbands UEFA auf die Enthüllungen internationaler Medien folgte prompt und in ungewohnt scharfer Tonalität. „Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, teilte die UEFA mit.
„Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Handelsware – erst recht nicht bei völliger Intransparenz darüber, wer finanziell davon profitiert.“
Der Verband betonte weiter, dass niemand den Fußball besitze und er nicht zum Verkauf stehe. In Medienberichten bezeichnete ein anonymer Brancheninsider das Vorhaben sogar als finanzielle „Atombombe“, während erste Investoren bereits die Chance witterten, sich bei der FIFA einzukaufen.
2>Infantino wirbt mit Milliardenversprechen um kleinere Verbände
Demgegenüber stellt die FIFA-Führung den Vorstoß als notwendige Modernisierung dar. FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte, das Ziel sei es, „das kommerzielle Potenzial und die Chancen der Organisation freizusetzen“. Das geplante Tochterunternehmen FFE, das mit insgesamt 20 Milliarden US-Dollar (rund 17,5 Milliarden Euro) bewertet wird, solle sämtliche Vermarktungs- und Turnierrechte für die Weltmeisterschaften der Männer und Frauen sowie die Klub-WM bündeln. Die FIFA betonte, die alleinige Kontrolle über das Unternehmen zu behalten, während Investoren 20 bis 30 Prozent der Anteile halten könnten.
Für die 211 Mitgliedsverbände stellt Infantino erhebliche Finanzspritzen in Aussicht. Die Ausschüttungen sollen von derzeit acht Millionen US-Dollar pro Vierjahreszyklus auf zunächst 20 Millionen und bis 2035 auf bis zu 24 Millionen US-Dollar steigen.
„Wir beabsichtigen, massiv selbst in die kleinsten oder entlegensten Teile der Fußballwelt zu investieren“, kündigte Infantino an.
Da beim FIFA-Kongress jeder Verband unabhängig von seiner Größe genau eine Stimme besitzt, gelten die finanziellen Zugeständnisse an kleinere Verbände als entscheidender Hebel zur Durchsetzung der Pläne.
2>Politische Querverbindungen und offene Machtfragen
Hinter den Kulissen reichen die Verhandlungen offenbar bis in höchste politische und finanzielle Kreise. Berichten zufolge wurde die US-Regierung unter Donald Trump bezüglich des Vorhabens konsultiert. Zudem wird die US-Investmentbank JPMorgan mit der Abwicklung der Transaktion in Verbindung gebracht, während die Firma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner die Investorengruppe anführen soll.
Für die Struktur des Weltfußballs birgt die geplante Kommerzialisierung eine fundamentale Verschiebung. Kommerzielle Investoren drängen naturgemäß auf eine Maximierung der Erträge, was den Druck auf eine weitere Ausdehnung von Turnierformaten oder zusätzliche Spieltage erhöhen dürfte. Infantino, dessen Amtszeit als FIFA-Präsident statutarisch im Jahr 2031 endet, könnte nach Ablauf seiner Präsidentschaft eine führende Kommissarsrolle in der neuen Vermarktungsgesellschaft übernehmen. Die finale Entscheidung über das Projekt liegt nun beim Council sowie beim Kongress des Weltverbands.
Wie beurteilen Sie die Pläne der FIFA, Anteile an der WM-Vermarktung zu verkaufen? Sollte der Fußball für private Investoren geöffnet werden oder teilen Sie die Sorgen der UEFA? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren.




























