Beteigeuze gehört zu den bekanntesten Objekten am Nachthimmel und markiert als leuchtstarker roter Superriese die linke Schulter des Sternbilds Orion. Seit Langem gibt das periodische Schwanken seiner Helligkeit der Wissenschaft Rätsel auf. Nun hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Astrophysikers Miguel Montargès von der Pariser Sternwarte den Nachweis erbracht, dass der Stern keineswegs isoliert existiert. Auf Aufnahmen des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile ist erstmals direkt ein Begleitstern zu erkennen. Diese Entdeckung liefert die Erklärung für eine mysteriöse sechsjährige Helligkeitsperiode des Himmelskörpers.
- Aufnahmen des Very Large Telescope bestätigen die Existenz eines zweiten Sterns im Beteigeuze-System.
- Der neu abgebildete Begleiter besitzt etwa die zwei- bis dreifache Masse unserer Sonne.
- Die Entdeckung erklärt die seit Langem beobachtete sechsjährige Helligkeitsschwankung des Roten Riesen.
Spezialinstrument blendet das überstrahlende Licht aus
Die Beobachtung eines Begleiters gestaltete sich über Jahrzehnte hinweg als extrem schwierig, da Beteigeuze als Roter Riese seine unmittelbare Umgebung stark überstrahlt. Bereits im Dezember 2024 nutzte das Team um Montargès das Zusatzgerät „Sphere“ am Teleskop in der chilenischen Atacama-Wüste. Das Instrument wurde ursprünglich entwickelt, um das Licht von Sternen gezielt auszublenden und so leuchtschwache Exoplaneten aufzuspüren.
Durch die Anpassung dieses Verfahrens gelang es den Wissenschaftlern, den schwachen Lichtpunkt direkt neben Beteigeuze sichtbar zu machen. Zwar gab es bereits zuvor Hinweise durch Beobachtungen am Gemini-Nord-Teleskop auf Hawaii, doch erst die aktuellen Daten bieten eine direkte optische Abbildung.
Die direkte Aufnahme nimmt Zweifeln an der Existenz des Begleiters weitgehend den Raum.
Der zweite Stern erweist sich als überraschend schwer
Sowohl die Masse als auch die Helligkeit des Begleitsterns übertrafen die Erwartungen der Astrophysiker. Während theoretische Überlegungen bislang von einem Stern mit sonnenähnlicher Masse ausgingen, zeigen die neuen Auswertungen, dass Beteigeuze B etwa die zwei- bis dreifache Masse der Sonne besitzt. Dadurch leuchtet er heller als vermutet, was den Nachweis letztlich ermöglichte.
Die Umlaufbahn des Begleiters korrespondiert exakt mit der längeren der beiden bekannten Schwankungsperioden von Beteigeuze. Während eine kürzere Periode von rund 400 Tagen auf magnetische Aktivität und kühlere Flecken auf der Sternoberfläche zurückzuführen ist, beeinflusst der Begleiter durch seine Gravitation das System im Sechs-Jahre-Rhythmus.
Um die Entdeckung endgültig abzusichern, planen die Forscher in einem Jahr eine erneute Beobachtung auf der gegenüberliegenden Seite des Sterns.
Ein neuer Faktor für die künftige Sternexplosion
In der Astrophysik sind Mehrfachsternsysteme weit verbreitet, da massereiche Sterne häufig in gemeinsamen Gaswolken entstehen und durch ihre Schwerkraft aneinander gebunden bleiben. Beteigeuze steht am Ende seiner Entwicklung und wird in ferner Zukunft in einer Supernova explodieren. Als der Stern vor einigen Jahren durch eine Staubwolke vorübergehend deutlich dunkler erschien, löste dies weltweit Spekulationen über sein bevorstehendes Ende aus.
Für das Verständnis dieses Übergangs hat der Nachweis des Begleiters erhebliche Bedeutung. Dies bedeutet für die Erforschung von Sternexplosionen, dass theoretische Modelle neu berechnet werden müssen, um den gravitativen Einfluss des zweiten Sterns auf das Verhalten des Roten Riesen einzubeziehen. Es bleibt eine offene Frage, wie stark der Begleiter die finale Phase des Sterns verändern wird.
Beobachten Sie den Nachthimmel im Winter selbst gerne und ist Ihnen Beteigeuze im Sternbild Orion schon aufgefallen? Teilen Sie Ihre Beobachtungen mit uns in den Kommentaren.




























